Bewerbungsfragen für Junior Netzwerktechniker: Der komplette Leitfaden

Milad Bonakdar
Autor
Meistern Sie die Grundlagen der Netzwerktechnik mit umfassenden Bewerbungsfragen zu TCP/IP, Routing, Switching, VLANs und den wichtigsten Netzwerkkonzepten für Junior Netzwerktechniker.
Einführung
Netzwerkingenieure entwerfen, implementieren und warten Computernetzwerke, die Kommunikation und Datentransfer ermöglichen. Als Junior-Netzwerkingenieur benötigst du grundlegende Kenntnisse über TCP/IP, Routing, Switching und Netzwerk-Fehlerbehebung.
Dieser Leitfaden behandelt wichtige Interviewfragen für Junior-Netzwerkingenieure und konzentriert sich auf Kernkonzepte der Netzwerktechnik.
TCP/IP Grundlagen
1. Erkläre das OSI-Modell und das TCP/IP-Modell.
Antwort:
OSI-Modell (7 Schichten):
- Bitübertragungsschicht (Physical) - Kabel, Signale
- Sicherungsschicht (Data Link) - MAC-Adressen, Switches
- Vermittlungsschicht (Network) - IP-Adressen, Routing
- Transportschicht (Transport) - TCP/UDP, Ports
- Sitzungsschicht (Session) - Verbindungen
- Darstellungsschicht (Presentation) - Verschlüsselung, Formatierung
- Anwendungsschicht (Application) - HTTP, FTP, DNS
TCP/IP-Modell (4 Schichten):
- Netzzugangsschicht (Network Access) - Physical + Data Link
- Internetschicht (Internet) - IP
- Transportschicht (Transport) - TCP/UDP
- Anwendungsschicht (Application) - Application + Presentation + Session
Häufigkeit: Sehr häufig Schwierigkeit: Leicht
2. Was ist der Unterschied zwischen TCP und UDP?
Antwort:
TCP Three-Way Handshake:
Häufigkeit: Sehr häufig Schwierigkeit: Leicht
IP-Adressierung
3. Erkläre Subnetting und berechne Subnetzmasken.
Antwort: Subnetting unterteilt ein Netzwerk in kleinere Subnetzwerke.
Beispiel: 192.168.1.0/24
- Netzwerk: 192.168.1.0
- Subnetzmaske: 255.255.255.0
- Nutzbare IPs: 192.168.1.1 - 192.168.1.254
- Broadcast: 192.168.1.255
Subnetting Beispiel:
CIDR-Notation:
- /24 = 255.255.255.0 (256 Adressen)
- /25 = 255.255.255.128 (128 Adressen)
- /26 = 255.255.255.192 (64 Adressen)
- /27 = 255.255.255.224 (32 Adressen)
Häufigkeit: Sehr häufig Schwierigkeit: Mittel
4. Erkläre NAT und seine Typen.
Antwort: NAT (Network Address Translation) übersetzt private IP-Adressen in öffentliche IP-Adressen.
Warum NAT verwenden:
- Sparen öffentlicher IP-Adressen
- Sicherheit (Verbergen des internen Netzwerks)
- Flexibilität im Netzwerkdesign
NAT-Typen:
1. Statisches NAT:
- Eins-zu-eins-Zuordnung
- Private IP ↔ Öffentliche IP
- Wird für Server verwendet
2. Dynamisches NAT:
- Pool öffentlicher IPs
- Wer zuerst kommt, mahlt zuerst
- Temporäre Zuordnung
3. PAT (Port Address Translation):
- Viele-zu-eins-Zuordnung
- Verwendet Portnummern
- Am gebräuchlichsten (Heimrouter)
Statische NAT-Konfiguration (Cisco):
Dynamische NAT-Konfiguration:
PAT-Konfiguration (Overload):
NAT-Übersetzungsbeispiel:
Fehlerbehebung bei NAT:
Einschränkungen:
- Unterbricht End-to-End-Konnektivität
- Verkompliziert einige Protokolle (FTP, SIP)
- Nicht geeignet für Server (verwende statisches NAT)
- IPv6 beseitigt die Notwendigkeit für NAT
Häufigkeit: Sehr häufig Schwierigkeit: Leicht-Mittel
Switching
4. Was ist ein VLAN und warum verwendet man es?
Antwort: VLAN (Virtual LAN) segmentiert ein Netzwerk logisch.
Vorteile:
- Sicherheit (Isolation des Datenverkehrs)
- Leistung (Reduzierung von Broadcast-Domänen)
- Flexibilität (Gruppierung nach Funktion, nicht nach Standort)
- Kosteneinsparungen (weniger physische Switches)
VLAN-Konfiguration (Cisco):
Häufigkeit: Sehr häufig Schwierigkeit: Mittel
6. Was ist das Spanning Tree Protocol und warum ist es notwendig?
Antwort: STP (Spanning Tree Protocol) verhindert Layer-2-Schleifen in geswitchten Netzwerken.
Problem ohne STP:
- Broadcast-Stürme
- MAC-Tabelleninstabilität
- Mehrere Frame-Kopien
- Netzwerkzusammenbruch
Wie STP funktioniert:
STP-Port-Zustände:
- Blocking: Leitet keine Frames weiter, verhindert Schleifen
- Listening: Bereitet das Weiterleiten vor, hört auf BPDUs
- Learning: Lernt MAC-Adressen
- Forwarding: Normaler Betrieb
- Disabled: Administrativ deaktiviert
Port-Rollen:
- Root Port: Bester Pfad zur Root-Bridge
- Designated Port: Weiterleitungsport auf dem Segment
- Blocked Port: Verhindert Schleifen
STP-Auswahlprozess:
STP-Konfiguration (Cisco):
STP-Varianten:
RSTP (Rapid Spanning Tree):
RSTP-Port-Zustände (vereinfacht):
- Discarding: Kombiniert Blocking, Listening, Disabled
- Learning: Lernt MAC-Adressen
- Forwarding: Normaler Betrieb
Fehlerbehebung bei STP:
Häufige Probleme:
-
Topologieänderungen:
- Häufige Änderungen verursachen Instabilität
- Verwende PortFast auf Access-Ports
-
Platzierung der Root Bridge:
- Sollte ein zentraler Switch mit hoher Kapazität sein
- Setze die Priorität manuell
-
Schleifen:
- Aktiviere BPDU Guard auf Access-Ports
- Überwache auf unerwartete Topologieänderungen
Häufigkeit: Häufig Schwierigkeit: Mittel
Routing
7. Was ist der Unterschied zwischen statischem und dynamischem Routing?
Antwort:
Statisches Routing:
- Manuell konfiguriert
- Kein Overhead
- Passt sich nicht an Änderungen an
- Gut für kleine, stabile Netzwerke
Dynamisches Routing:
- Lernt Routen automatisch
- Passt sich an Topologieänderungen an
- Mehr Overhead
- Gut für große, komplexe Netzwerke
Statisches Routenbeispiel:
Dynamische Routing-Protokolle:
- RIP: Einfach, Distance-Vector
- OSPF: Link-State, schnelle Konvergenz
- EIGRP: Cisco-proprietär, Hybrid
- BGP: Internet-Routing
Häufigkeit: Sehr häufig Schwierigkeit: Leicht-Mittel
8. Wie konfigurierst du Access Control Lists (ACLs)?
Antwort: ACLs filtern Netzwerkverkehr basierend auf definierten Regeln.
ACL-Typen:
1. Standard-ACL (1-99, 1300-1999):
- Filtert nur nach Quell-IP
- Wird in der Nähe des Ziels angewendet
2. Erweiterte ACL (100-199, 2000-2699):
- Filtert nach Quell-/Ziel-IP, Protokoll, Port
- Wird in der Nähe der Quelle angewendet
Standard-ACL-Beispiel:
Erweitertes ACL-Beispiel:
Benannte ACL (Empfohlen):
Wildcard-Masken:
Häufige ACL-Szenarien:
1. Blockiere einen bestimmten Host:
2. Erlaube nur SSH und HTTPS:
3. Verhindere Spoofing:
ACL Best Practices:
-
Reihenfolge ist wichtig:
- Wird von oben nach unten verarbeitet
- Spezifischste Regeln zuerst
- Implizites Deny am Ende
-
Platzierung:
- Standard-ACL: In der Nähe des Ziels
- Erweiterte ACL: In der Nähe der Quelle
-
Dokumentation:
- Verwende benannte ACLs
- Füge Bemerkungen hinzu
Bearbeiten von ACLs:
Fehlerbehebung:
Häufigkeit: Häufig Schwierigkeit: Mittel
Netzwerkdienste
9. Wie funktioniert DHCP?
Antwort: DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol) weist IP-Adressen automatisch zu.
DORA-Prozess:
- Discover: Client sendet Broadcast-Anfrage
- Offer: Server bietet IP-Adresse an
- Request: Client fordert angebotene IP an
- Acknowledge: Server bestätigt Zuweisung
DHCP-Konfiguration (Cisco):
Häufigkeit: Sehr häufig Schwierigkeit: Leicht-Mittel
Fehlerbehebung
10. Wie behebst du Probleme mit der Netzwerkverbindung?
Antwort: Systematischer Ansatz zur Fehlerbehebung:
1. Überprüfe die physikalische Schicht:
2. Teste die Konnektivität:
3. Überprüfe die IP-Konfiguration:
4. Teste DNS:
5. Überprüfe das Routing:
6. Überprüfe die Firewall:
Häufigkeit: Sehr häufig Schwierigkeit: Mittel
Fazit
Die Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch als Junior-Netzwerkingenieur erfordert das Verständnis von Netzwerk-Grundlagen und praktischer Erfahrung. Konzentriere dich auf:
- TCP/IP: OSI-Modell, Protokolle, Adressierung
- IP-Adressierung: Subnetting, CIDR, IPv4/IPv6
- NAT: Typen, Konfiguration, Anwendungsfälle
- Switching: VLANs, Trunking, MAC-Adressen
- STP: Schleifenvermeidung, Port-Zustände, RSTP
- Routing: Statisch vs. dynamisch, Routing-Tabellen
- ACLs: Standard vs. erweitert, Wildcard-Masken
- Netzwerkdienste: DHCP, DNS, NAT
- Fehlerbehebung: Systematischer Ansatz, Tools
Übe mit Netzwerk-Simulatoren (Packet Tracer, GNS3) und echter Hardware. Viel Glück!



